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Bombendrohungen
Das britische Komitee sprach auch mit zwei anerkannten deutschen Akademikern - Prof. Dr. Löw, Universität Bayreuth, und Prof. Krumholz, Freie Universität Berlin. Beide drückten Bestürzung und Besorgnis über die Intoleranz in Deutschland aus. Und beide meinten, die Vorwürfe gegen Minderheitsreligionen glichen Hexenjagden, die auch Erinnerungen an die 30er Jahre wecken. Das Komitee fand auch, daß viele der Gruppierungen, die in Deutschland verfolgt werden, in anderen Teilen der Welt für ihre gemeinnützige Tätigkeit anerkannt werden. Die Christliche Gemeinde Köln beispielsweise ist eine charismatische Gemeinschaft, deren Lehre sich nicht von der einiger anerkannter Kirchen in England unterscheidet, so der Bericht. Aber in Deutschland werden sie als extremistische Sekte attackiert. Nach einer heftigen Medienkampagne erhielten sie Mord- und Bombendrohungen, einer ihrer Priester wurde sogar mit einem Messer angegriffen.
Die Kölner Behörden haben auch ein Verfahren zum Entzug der Rechtsfähigkeit eingeleitet. In dem Bescheid der Stadt heißt es, die Gemeinschaft würde im kulturellen, religiösen, sozialen oder geistigen Bereich für die Gesellschaft keinen Beitrag leisten. Dabei nehmen seit vielen Jahren an jedem Wochenende durchschnittlich 1200 Kölner an den Gottesdiensten dieser Kirche teil - eine Gemeinde ganz beachtlicher Größe, mit deutschen Bürgern, die der Überzeugung sind, daß man sich dort um ihre spirituellen Belange kümmert.
Deutschland verliert den Anschluß
Eine der interviewten Gruppen waren die Anhänger von Sri Chinmoy, einem hinduistischen Philosophen, Sportler und Meditationslehrer. Ihre Mission besteht daraus, mittels Literatur, darstellender Kunst, Musik, Sportveranstaltungen und Treffen mit führenden Persönlichkeiten eine Botschaft des Weltfriedens zu verbreiten.
Die Mitglieder, die von dem Untersuchungskomitee besucht wurden, legten eindeutige Beweise für Diskriminierungen vor. So wurden ihnen zum Beispiel Einrichtungen für Sportveranstaltungen und Konzerte ohne Angabe von Gründen verweigert. Ein Sportzentrum verbot ihnen sogar die Benutzung der Duschen, obwohl die Gruppe einen Marathonlauf in der Gegend veranstaltet hatte.
Die Vertreter von Sri Chinmoy legten der Delegation Anerkennungsschreiben vor, die von Persönlichkeiten aus aller Welt an ihren Gründer gerichtet waren. So schrieb Papst Paul VI. an Sri Chinmoy: Unser Treffen war sehr wichtig. Ihre Botschaft und meine Botschaft sind dieselbe. Und im Brief von Papst Johannes Paul II. heißt es: Ich bin für Ihren Besuch sehr dankbar. Gott segne Sie und all Ihre kontemplativen Aktivitäten. Angesichts dieser Anerkennungen sind die diametral entgegengesetzten Reaktionen in Deutschland völlig unbegreiflich.
Das britische Komitee sprach auch mit zwei anerkannten deutschen Akademikern - Prof. Dr. Löw, Universität Bayreuth, und Prof. Krumholz, Freie Universität Berlin. Beide drückten Bestürzung und Besorgnis über die Intoleranz in Deutschland aus. Und beide meinten, die Vorwürfe gegen Minderheitsreligionen glichen Hexenjagden, die auch Erinnerungen an die 30er Jahre wecken.
Aber deutsche Regierungsbeamte wiesen jeglichen Vergleich mit der dunklen Vergangenheit Deutschlands mit Nachdruck zurück. Das Komitee hingegen bemerkte durchaus Parallelen. Es habe sich ein unausweichliches Gefühl aufgedrängt, was Politiker, die keinerlei Anhaltspunkte für Diskriminierung in Deutschland sehen konnten oder wollten, wirklich dachten: Hitler ist mit den Sekten falsch umgegangen, wir nicht. Wir gehen das in einem strengen gesetzlichen Rahmen an.
Skinheads in Maßanzügen
Das Komitee traf sich auch mit Ignatz Bubis, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland. Es fragte ihn nach seiner Meinung über Berichte in der englischen Presse kurz nach der Wiedervereinigung, die auf eine stetige Zunahme von Skinhead-Angriffen auf Ausländer, Gastarbeiter, Asylanten und Behinderte hinwiesen. Bubis äußerte, die Zahl echter Skinheads sei tatsächlich recht gering, die wirkliche Gefahr seien die Skinheads in Maßanzügen - in Anlehnung an ein berühmtes Zitat von Günter Grass. Die Unterstützung für antisemitische Ideologien habe in den letzten Jahren stark zugenommen, aber anstatt sich offen zu faschistischen Ideologien zu bekennen, würden diese Leute von Recht und Gesetz sprechen.
Der Bericht des Untersuchungskomitees schließt mit einer Formulierung seiner Absicht: Konstruktive Kritik und umsetzbare Vorschläge zu liefern, damit die deutsche Regierung, die sich im Zentrum einer einzigartigen Dynamik mit langer Tradition befindet, Möglichkeiten der Verbesserung sehen kann. Nur dann kann sie sich selbst und die, für die sie verantwortlich ist, korrigieren und effektiv an einer festen Grundlage für demokratische Stabilität und Fortschritt im 21. Jahrhundert bauen, in einem zunehmend kleineren Europa, in dem wir mehr und mehr aufeinander angewiesen sind und fähig sein müssen, einander zu vertrauen.
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